Thema März 2019: Die ersten Nachzuchten

Wenn im November die Innengehegeghaltung der Köhlerschildkröten beginnt, startet gleichzeitig für meine Buntnasen die Regenzeit und somit, auch die Paarungszeit. Bei einer Inkubationszeit von knapp 150 Tagen bedeutet dies, dass im folgenden März die ersten Jungtiere zu erwarten sind.

Deshalb behandelt das Thema März die erste Schlupfzeit im Frühjahr von Köhlerschildkröten.

Zu meinen ersten Nachzuchten kam ich im Jahr 2018 etwas unvorbereitet. An einem Morgen im Mai wechselte ich das Wasser und bemerkte aus dem Augenwinkel etwas Kleines, was sich langsam aber stetig auf mich zubewegte. Es war eine kleine Buntnase, die im Innengehege einen Unterschlupf, oder nach etwas fressbaren suchte. Natürlich stand mir die Überraschung ins Gesicht geschrieben, und mein Erstaunen fand ihren Fortlauf, als ich kurze Zeit später ein zweites Jungtier entdeckte. Eilig bereitete ich eine Art vorläufiges Jungtiergehege vor. Ich suchte den Ursprung der Jungtierinvasion, und erkundete das gesamte Innengehege nach Gelegespuren. Meine intensive Suche blieb ohne Erfolg und somit dachte ich eigentlich, dass ich alles getan hätte, um keine weiteren Überraschungen mehr zu erleben. Doch bereits zwei Wochen später wiederholte sich die Szene mit dem Wasserwechsel, und dem Auffinden von zwei Jungtieren innerhalb eines Tages. Etwas genervt von meiner eigenen Unachtsamkeit, denn schließlich habe ich ja ganz augenscheinlich einige Eiablagen im letzten Jahr nicht mitbekommen, begann ich erneut mit der Suche an möglichen Legestellen. Und dieses Mal fand ich weitere Eier, in denen definitiv eine Entwicklung stattgefunden hatte. Da meine Unachtsamkeit nicht dafür verantwortlich sein durfte, dass ein Schildkrötenembryo absterben würde, legte ich eben diese Eier in einen Inkubator, ohne zu wissen, wann noch etwas schlüpfen wird.  In den Monaten Juni, Juli, August und September kamen insgesamt 11 weitere Jungtiere hinzu.

Wie konnte mir das passieren? Und was konnte ich unternehmen, dass sich das Ganze nicht wiederholen wird? Eigentlich hatte ich ja ein System entwickelt, dass das eben nicht geschehen sollte. Eine Videoüberwachung im Gehege zeichnet alles auf, was an den Legestellen passiert. Über eine Zeitrafferfunktion kann ich so jeden Abend innerhalb von fünf Minuten das verfolgen, was sich am Tage im Gehege ereignet. Leider vernachlässigte ich diese Möglichkeit während der Wintermonate zuvor.

Wie dem auch sei, nun sind die Tiere da, also muss ich mich auch darum kümmern. Bzw. ich muss mich um eine adäquate Unterbringung bei einem anderen Halter kümmern. Die Vermittlung von Tieren ist zeit- und nervenaufreibend. Zahllose Anrufe, unendlich lange Mails und WhatsApp-Nachrichten. Sinnlos erscheinende Anfragen, sowie brutale Preisverhandlungen sind nötig, bevor man auch nur einen wirklich guten Interessenten gefunden hat. Aber man wächst ja mit seinen Aufgaben, und so schaffte ich es alle Jungtiere in liebevolle Hände zu vermitteln.

  

Und ich entwickelte einen gewissen Gefallen an meiner neuen Aufgabe. Im Oktober 2018 begann dann die neue Legesaison. Seitdem kontrolliere ich jeden Abend das Treiben meiner Tiere im Gehege im Schnelldurchlauf. Und ich fasste den Entschluss ab sofort jährlich zwei bis drei Gelege meiner rotköpfigen Köhlerschildkröten zu bebrüten.

 

 

  

Interessierte Halter können im Vorfeld gesucht und gefunden werden. Es bleibt genügend Zeit um sich auf das neue Tier vorzubereiten, und ggf. auch ein neues Gehege zu errichten. Das erste Gelege vom 15. Oktober 2018 bestand aus vier Eiern. Ich bebrüte die Eier bei 26 Grad in der Nacht und 28 Grad am Tage. Und so war der März 2019 der Monat, in dem die ersten Jungtiere schlüpften, aus Eiern, die ich bewusst bebrütet habe. Keine Überraschungseier also. Ich holte mir natürlich vorher die Genehmigung von meiner zuständigen Behörde ein. Jungtiere werden dort zeitnah nach dem Schlupf ordnungsgemäß angemeldet. Dann beginnt die Beobachtungsphase, in der ich entscheide, wann und wohin die Tiere mich verlassen. Fressen die Tiere selbstständig und sind aktiv ,suche ich gezielt nach neuen Haltern. Erst wenn die Jungtiere mindestens 90 Tage alt sind, werden sie weitergegeben.

Während ich 2018 im Dezember noch nicht wusste, dass ich im Mai kleine Buntnasen pflegen würde, bin ich in diesem Jahr deutlich besser organisiert und natürlich auch vorbereitet. Es ist ein Erlebnis dem Schlupf einer kleinen Schildkröte beizuwohnen. Vom ersten Bruch im Ei, bis zum Schlupf vergehen häufig einige Tage. Immerhin passieren diese Schlupfvorgänge im Normalfall im Erdreich, ohne dass man sie mitbekommt. Die Anstrengungen die die Jungtiere auf sich nehmen, um an die Erdoberfläche zu gelangen sind enorm. Der Vorgang des hoch Grabens nehmen wir den Tieren in dem Moment ab, wenn wir uns entschieden haben, das Gelege auszugraben, um die Eier dann in einen Inkubator zu legen. Je nachdem, ob wir die Eier nun ganz mit Brutsubstrat bedecken oder nicht, entscheidet, wie viel Arbeit der Schlüpfling beim Schlupf hat. Befindet sich das Ei in einer stabilen Lage im Substrat, und es kann nicht hin und her rollen, hat es der Schlüpfling leicht sich aus dem Ei zu befreien. Liegt das Ei lose auf dem Substrat, wird es für den Knirps schon schwerer.

Das alles lässt sich hervorragend in einem Inkubator beobachten. Und es lohnt sich. Vorausgesetzt, man hat die Eiablagen seiner adulten Schildkröten mitbekommen…

 

Thema im April, die Zeit der Wildkräuter ist wiedergekommen…