Februar: Die Fütterung von Köhlerschildkröten im Winter

Tropische Landschildkröten durch den deutschen Winter zu bringen ist eigentlich gar nicht so schwer. Licht- und Heiztechnik unterstützen den ambitionierten Halter bei seinem Unterfangen. Klimahilfen wie Luftbefeuchter oder Vernebler, aber auch Baustoffe, die Feuchtigkeit aufnehmen können, ohne Schimmel zu bilden und gleichzeitig gute Isolierwerte vorweisen, sorgen für ein feuchtes Tropenfeeling in meinem Schildkrötenhaus.

Ich werde häufig gefragt, wie viele Köhlerschildkröten ich zuhause halte? Zurzeit sind es 10 adulte und eine juvenile Buntnase, die in meinen beiden Innengehegen leben. Wenn die Besucher dann in meinem Schildkrötenhaus stehen, müssen sie die Tiere zunächst einmal suchen. Denn meine Schildkrötengehege sind so gestaltet, dass die Tiere sich sicher und unbeobachtet fühlen. Entweder liegen die Schildkröten unter den verschiedenen Wärmelampen, oder in ihren Verstecken. Und wenn sich die Eingangstür des Hauses öffnet, und ich oder ein anderer den Raum betritt, vernimmt man Atemgeräusche in Bodennähe. Die schnaufenden Schildkröten sind aber nicht erkältet. Vielmehr nehmen sie Witterung auf. Es könnte ja sein, dass es Futter gibt.

Wenn man wie ich fast ein Duzend Schildkröten im Winter durchfüttert, heißt das genau abzuwägen, was man seinen Schildkröten anbietet. Die Tatsache, dass Köhlerschildkröten sich omnivor ernähren, kann mir als Halter dabei helfen, die Tiere abwechslungsreich und natürlich zu füttern. Im Sommer ist das einfach.

Dann öffne ich einfach die Klappen zu den Außengehegen. Die Schildkröten verbringen dann mehrere Stunden mit der Futtersuche. Gräser, Kräuter, Laub, Blüten, Samen, Früchte und Pilze werden gesucht. Auch Würmer, langsame Insekten, Schnecken und Aas werden bei der Futtersuche gerne aufgenommen. Vom Frühjahr bis zum Herbst unterstütze ich meine Schildkröten, indem ich in den anliegenden Wäldern selbst nach Kräutern suche, und diese zusätzlich in den Freigehegen verteile. Durch Aussaat von Kräutersamen in meinem Garten schaffe ich zusätzliche Ernteflächen für mich und meine Schildkröten. Der Anteil an pflanzlicher Kost liegt bei meinen Buntnasen irgendwo zwischen 80 und 95%. Im Sommer kein Problem. Aber im Winter?

Da gibt es dann Kräuterheu. Wenn der Winter mild bleibt, kann ich an den kurzen Tagen auch mit viel Aufwand Kräuter sammeln. An geschützten Stellen findet man ja hier und da auch immer mal wieder etwas. Aber Wegwarte und Breitwegerich werden zur Mangelware. Was also tun? Ab in den Zoofachhandel und Nahrungsergänzungen für die Reptilien kaufen? Kann man machen. Aber wenn man ganz ehrlich ist, was haben diese „Loops“ und „Sticks“ mit dem gemeinsam, was unsere Pfleglinge im Sommer finden? Weder die Form noch die Konsistenz der künstlichen Nahrung, ganz zu schweigen von den Gerüchen in den gekauften Dosen und Tüten ist vergleichbar mit dem, was meine Schildkröten im Sommer suchen und finden. Mit Ausnahme von Kräuterheu scheiden diese Mittelchen für mich als „Futterersatz“ aus. Dann greife ich ehrlich gesagt lieber auf Gemüse aus dem Supermarkt zurück. Z.B. Chicorée, Radicchio, Frisée und Endivie sind Kulturformen der Wegwarte.  Dazu Rucola, Zucchini, Feldsalat und Mangold. Dann Speisepilze wie Champignon, Kräutersaitling und Austernpilz. Ganz selten südamerikanische Früchte wie Papaya oder Pitahaya. Und so lange es geht heimische Wildkräuter und Gräser aus der Umgebung, und dem eigenen Garten. Ab und zu ein paar Sprossen bieten Abwechslung auf dem Futterteller. Alle zwei Wochen etwas tierische Kost. Fisch (bevorzugt Meerwasserfisch) und Fleisch (Muskelfleisch wie Herz, oder Fleisch vom Rind oder Lamm mit Knochen und Knorpel). Das alles füttere ich im Winter.

Ganz wichtig: Köhlerschildkröten ernähren sich omnivor. Es sind also Allesfresser. Das unterscheidet sie und ihre Fütterung zum Beispiel von den europäischen Landschildkrötenarten, die sich ausschließlich herbivor (also rein pflanzlich) ernähren. Zudem halten europäische Landschildkröten eine Winterstarre. Halter dieser Arten müssen ihre Tiere im Winter also eigentlich gar nicht füttern.

Meine Köhlerschildkröten erhalten mehrmals täglich kleine Portionen in ihren Gehegen an unterschiedlichen Stellen. Natürlich müssen sie nicht lange danach suchen. Aber sobald ich den Raum betrete nehmen die Tiere Witterung auf und beginnen zu suchen.

Diese Art der Fütterung von zehn adulten Köhlerschildkröten im Winter ist finanziell gesehen nicht zu unterschätzen. Würde ich aber in ein Zoofachmarkt fahren und dasselbe Geld für angebliche Spezialnahrung und Futtertiere ausgeben, würden meine Schildkröten nicht annähernd dieselbe Menge an Futter erhalten.

Salate aus dem Supermarkt sind eigentlich für den Menschen kultivierte und hochgezüchtete Pflanzen. Eine Fütterung dieser Pflanzen während der Sommermonate ist im Grunde unsinnig, da genügend Wildkräuter und Gräser in unseren Breitengraden wachsen. Salate und Gemüse verwende ich fast ausnahmslos ausschließlich im Winter als Futter. Sie sind nahrhaft und die Tiere können sie über den Geruchssinn, aber auch optisch als naturnahes Futter identifizieren. Das schafft kein künstlich hergestellter Futterbrei.

Und zu guter Letzt noch ein Hinweis zum Kalziumbedarf. Während der Wintermonate befinden sich die Köhlerschildkröten in der Paarungszeit. Die hohe Luftfeuchte in den Innengehegen animiert die Tiere sich zu paaren und die Weibchen legen drei bis vier Mal ihre Eier ab. Deshalb ist ein höherer Kalziumanteil im Futter zwingend erforderlich. Ob das nun über Knochen oder Sepiaschalen erfolgt dürfen Sie selbst entscheiden. Ich verwende beides. Wobei der Sepiaanteil definitiv überwiegt…

Gäbe es eine finanzierbare Möglichkeit für mich so genannte Wildkräuter im Winter in ausreichender Menge selbst zu produzieren, würde ich das sicher tun, und auf das gekaufte Gemüse verzichten. Da mir das aber nicht möglich ist, unterscheidet sich bei mir Fütterung im Winter eben von der im Sommer erheblich. Eine Suche nach Unkräutern für meine Pfleglinge muss auch immer gut überlegt sein. Schließlich wissen wir nicht, welcher Hund vorher an der Sammelstelle sein Geschäft hinterlassen hat. Oder welcher Landwirt dort welche Mittel versprüht hat. Egal wo. Das Stückchen Erde auf dem wir sammeln gehört irgendjemanden, oder wird von jemanden bewirtschaftet. Ist diversen Umwelteinflüssen ausgesetzt. Meine Tiere brauchen Nahrung. Und Wildkräuter sind nun mal das natürlichste Futter, was wir unseren Pfleglingen geben können. Deshalb versuche ich immer, meinen Tieren natürliche Nahrung anzubieten. Gelingt mir das nicht, muss ich temporär auf das zurückgreifen, was für mich sinnvoll erscheint. Und das sind dann nun mal die Kulturformen diverser Wildkräuter. Und sobald der Frühling beginnt, die ersten Triebe im Außengehege erkennbar sind, und die Außentemperaturen es zulassen, dürfen meine Buntnasen auch wieder nach Draußen. Dort grasen sie dann wieder ausgiebig und naturnah. So wie die Köhlerschildkröten auf den Grassavannen Südamerikas…

 

Im März geht es dann ganz aktuell um schlüpfende Köhlerschildkröten…